« Curators »

Richard Tisserand 
31.01.2014
Schweizer Kunst Art Suisse Visarte Schweiz

Richard Tisserand in Schweizer Kunst  2013

Der Kunstraum Kreuzlingen & Tiefparterre
versteht sich als ein Ort für den Diskurs
zeitgenössischer Kunst, der aufgrund seines
attraktiven Standortes über die
Schweizer Grenze hinaus als ein wichtiger
Kunst- und Kulturraum wahrgenommen
wird. Jährlich präsentieren sich fünf Ausstellungen,
die in enger Zusammenarbeit
mit den jeweiligen Künstlerinnen und
Künstlern exklusiv für die Räumlichkeiten
entwickelt werden. Seit 2008 wird das sogenannte
Tiefparterre parallel zum Kunstraum
als Plattform für elektronische
Kunst und experimentelle Projekte genutzt.
Bereits zweimal wurde das Jahresprogramm
des Tiefparterres vom BAK Sitemapping
gefördert. Die sich aus den
beiden Ausstellungsbereichen generierenden
inhaltlichen Synergien werden als
ein wichtiger kuratorischer Ansatz verstanden.
Geleitet wird der Kunstraum
von Richard Tisserand, der als Kurator
das Thema des Jahresprogrammes vorgibt
und verantwortlich ist für die Auswahl
der Künstlerinnen und Künstler,
deren Ausstellungen jeweils von einem
Rahmenprogramm begleitet werden.
Regelmässig stattfindende Vorträge mit
Fachreferenten, Veranstaltungen wie
Künstlergespräche, Theaterstücke mit
thematischem Bezug zur Kunst sowie die
Teilnahme an der «Kunstnacht Konstanz-
Kreuzlingen» gehören zum Angebot.
Die Bandbreite der Aktivitäten wird
noch verstärkt durch die alle zwei Jahre
stattfindende Verleihung des Adolf Dietrich-
Förderpreises der Thurgaulschen
Kunstgesellschaft, die als Gründer- und
Trägerverein die finanzielle Basis des
Kunstraums prüft und sichert. Mit dem
Kanton Thurgau besteht eine Leistungsvereinbarung
und die Stadt Kreuzlingen,
als Eigentümerin der Liegenschaft, gewährt
freie Miete. Zusätzliche Finanzierungen
werden über projektbezogene
Gesuche an Dritte angeworben. Den
Kunstschaffenden wird jeweils Projektgeld
zugesprochen und der Aufbau von
einem Assistenten vor Ort unterstützt.
Die Website www.kunstraum-kreuzlingen.
ch gewährt die nachhaltige Präsenz im
virtuellen Bereich der Kunstszene.
Unter vorab entwickelten Jahresthemen
vereinen sich Künstlerpositionen,
die deren Vertiefung und den Diskurs anregen.
Eine besondere Aufmerksamkeit
gilt jungen Kunstschaffenden, die sich
zum Teil bereits durch Preise oder Stipendien
hervortun konnten. Hierfür von
Bedeutung ist der regelmässige Kontakt
und Austausch mit der ZHdK Mediale
Künste. Neben Ausstellungen von etablierten
Künstlerinnen und Künstlern bietet
der Kunstraum der heranwachsenden
Künstlergeneration die Möglichkeit, sich
im institutionellen Umfeld zu orientieren
und zu messen.
Richard Tisserand, geboren 1948
in Eschenz Thurgau, lebte von 1971 bis
2001 überwiegend in Paris. In den
90er-Jahren als Präsident der Sektion
SPAS Paris (visarte), war er zudem
als Künstler regelmässig an Ausstellungsaktivitäten
in Frankreich, Deutschland
und in der Schweiz beteiligt.
Seit 2003 ist er Vorstandsmitglied der
Thurgauischen Kunstgesellschaft, fiir die
er bis 2006 als künstlerischer Berater fiir
das Programm des Kunstraums Kreuzlingen
tätig war.
2007 übernahm er im Auftrag der
Thurgauischen Kunstgesellschaft die
Leitung des Kunstraum Kreuzungen
(seit 2008 Kunstraum Kreuzungen
Tiefparterre).
KURATOR

« Butterschiff, Beteiligung von Richard Tisserand »

Dorothee Messmer 
2.10.2013

4. Triennale für zeitgenössische Kunst, Oberschwaben, 2008 – Friedrichshafen

Butterschiff, Beteiligung von Richard Tisserand

Unter dem Begriff ,Butterschiff‘ versteht man heute in der Ostsee auf internationalem Gewässer zirkulierende Schiffe, welche Lebensmittel, Tabak und Alkohol zollfrei zum Verkauf anbieten. Die Geschichte des ,Butterschiffes‘ am Bodensee beruht auf der cleveren Idee eines Geschäftsmannes, der 1974 ein Schiff gechartert hatte und von der unklaren Situation des Grenzverlaufes auf dem Bodensee profitierte. In der Tat existiert bis heute kein festgelegter Grenzverlauf im See,
so dass man meinen könnte, der See sei internationales Gewässer.
— Die Butter stellt aber noch einen zweiten wichtigen Bezug zur Region her, weil es sich dabei umein Produkt handelt, welches in Österreich und Deutschland bis in die jüngste Zeit viel billiger war als auf der Schweizer Seite des Sees. Viele Schweizer unternahmen Einkaufstouren ins Vorarlbergische oder ins nahe Deutschland, um die Butter zum halben Preis einzukaufen. Am Schweizer Zoll bekam man deshalb oft die Frage zu hören: ?Was bringen Sie an Waren mit: Butter, Fleisch oder anderes?
— Diese Geschichte veranlasste Richard Tisserand, für die Triennale Friedrichshafen auf dem Bodensee erneut ein Butterschiff zirkulieren zu lassen. Der Künstler mietet dafür das Konstanzerli, ein 60 Plätze umfassendes Motorschiff, und bietet Fahrten auf dem See an, die mit verschiedenen Veranstaltungen gekoppelt werden. Unter anderem stellt er auf sogenannten ,Butterfahrten‘ selbst Butter her, die anschliessend zollfrei verkauft (und gegessen) werden soll. Daneben sind auch weitere Aktionen auf dem Schiff geplant.
Mit diesen Veranstaltungen und der Wiederbelebung der ,Butterfahrten‘ wird ein Begriff revitalisiert, der in der Erinnerung vieler älterer Bewohner der Bodenseeregion noch sehr präsent ist. Mit seiner Arbeit Butterschiff macht der Künstler zudem auf Themen aufmerksam, welche die Identität macht der Künstler zudem auf Themen aufmerksam, welche die Identität des Bodensees auch heute noch stark prägen: Grenzen, Zollgebühren, Internationale Gewässer, Schifffahrtsabkommen, Steuergesetze, kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten. | DM

« 3. Butterfahrt »

 
2.10.2013

Annexion des Bodensees durch die Königreiche von Elgaland-Vargaland

Am 27. Mai 1992 um 12:00 proklamierten die Künstler Leif Elgreen und Carl Michael von Hausswolff die Königreiche von Elgaland-Vargaland und annektierten und besetzten damit folgende Territorien:

1. Alle Grenzgebiete zwischen allen Ländern der Erde und alle Gebiete ausserhalb aller Territorialgewässer aller Länder. Sie bezeichnen diese Territorien als Ihr physisches Territorium.

2. Mentale und Perzeptive Territorien wie: Den Hypnagogen Zustand (zivil), die Eskapistischen Territorien (zivil) und den Virtuellen Raum (http://www.elgaland-vargaland.org/)

3. Schlaraffenland (ann. 1994), Utopia (ann. 2003), Isola di SanMichele (ann. 2007)

Mit der Extrafahrt mit der MS „Reichenau“ zur Insel Mainau und zum   Zentrum des Bodensees anektieren und besetzen Sie, die   Königreiche   von Elgaland-Vargaland die gesamte Oberfläche des Bodensees inklusive   Überlinger See, Zeller See, Gnadensee, Untersee und die Insel Mainau, ehemals Teil des Schweiz, Deutschland, Österreich und von Elgaland- Vargaland.

Von diesem Zeitpunkt an und für immer, bezeichen Sie, die Königreiche   von Elgaland-Vargaland, die Oberfläche dieses Sees als einen   physischen Teil Ihrer mentalen Territorien (d.h. das Gebiet zwischen   dem Bewusstsein und Un-Bewusstsein) als einen Teil der Königreiche von Elgaland-Vargaland.

Der Jodelchor Diessenhofen, die Emmishofer Musikanten und Toni Hengartner, Alphorn spielen neben ihrer eigenen Musik die Nationalhymne der Königreiche Elgaland- Vargaland. Seine Majestät König von Vargaland Carl Michal von Hausswolff, Seine Majestät König von Elgaland Leif Elgren, Seine   Exzellenz Botschafter der Königreiche Elgaland-Vargaland für London   Mike Harding), Seine Exzellenz Botschafter der Königreiche Elgaland- Vargaland für Zürich Adrian Notz u.a. halten Reden und   Frau Dr.   Sibylle Omlin (Kuratorin der Triennale Oberschwaben) hält einen   Vortrag mit dem Titel: ?Grenzenlos? Territoriale Verhältnisse,   Grenzverläufe und Hohe See im Bodensee“.

Richard Tisserand macht seine frische Butter Performance. Es entsteht die echte Vorzugsbutter vom Bodensee geformt im original Mödeli mit dem Staatswappen von Elaland-Vargaland.

Abfahrt: 19 Uhr im Hafen Kreuzlingen, Zwischenhalt auf der Insel   Mainau.
Rückfahrt: ca. 23:00 Uhr im Hafen Kreuzlingen
Kostenbeteiligung: CHF 30.00
Beschränkte Platzzahl: Anmeldung an sekretariat@kunstgesellschaft-tg.ch oder 071 688 58 30

www.elgaland-vargaland.org   www.kunstraum-kreuzlingen.ch

Coproduktion von
Cabaret Voltaire, Adrian Notz, Director of International Projects, Spiegelgasse 1 8001 Zürich
Kunstraum Kreuzlingen, Thurg. Kunstgesellschaft, Richard Tisserand, Kurator
4.Triennale Oberschwaben, 2008 Friedrichshafen.

Reportage auf rebell.tv

« Butterfahrten »

Eva Grundl MA 
2.10.2013

Zur Triennale Friedrichshafen entwickelt Richard Tisserand in Erinnerung an das in den 70 er Jahren auf dem Bodensee verkehrende Butterschiff, so genannte „Butterschiff-Fahrten“ weiter und setzt diesen Topos künstlerisch um: An Bord des MS „Konstanzerli“ (Konstanz) stellt Tisserand auf dem Bodensee selbst Butter her, welche als Buttermödeli an Ort und Stelle zollfrei bezogen beziehungsweise gegessen wird. In Eschenz geboren, macht er zunächst eine Erinnerung und Erfahrung älterer Einwohner der Bodenseeregion lebendig: ?Was bringen Sie an Waren mit: Butter, Fleisch oder anderes?“, lautete für gewöhnlich die Frage am Schweizer Zoll an jene Eidgenossen, die bei Einkaufstouren im Vorarlbergischen oder im nahe gelegenen Deutschland Butter zum halben Preis eingekauft hatten.

Am Ort des Geschehens rückt das Projekt der „Butterschiff-Fahrten“ zudem einige Ambivalenzen ins Licht, welche die Lebensverhältnisse der Einwohner durch den und mit dem Bodensee existenziell prägen: Grenzen, Zollgebühren, kulturelle Unterschiede wie auch Gemeinsamkeiten ordnen, strukturieren die Identitäten der Menschen am See – der bis heute ohne festgelegten Grenzverlauf auskommt.   Eva Grundl MA

Co Produktion mit 4. Triennale Oberschwaben    www.triennale-oberschwaben.de

« Texte für und vom Bodensee »

 
2.10.2013

Texte für und vom Bodensee

Astrid Keller liest von Gustav Schwab, Peter Handke, Michael Stauffer…..
Mit frischer Butter, originale Vorzugsbutter vom Bodensee produziert von Richard Tisserand

Die 2. Butterfahrt ist  mit literarischem Gehalt und nimmt Bezug auf ausgewählte bekannte Texte, welche vom Bodensee inspiriert wurden.
In der Vorstellung, dass sie nie dem See selber vorgelesen wurden, fährt das Butterschiff MS Konstanz auf den See hinaus, wo Astrid Keller vom Seeburg Theater nicht nur dem Mitfahrenden sondern auch dem See per Lautsprecher die Lesung halten wird… dazu wird frische Butter, die original Vorzugsbutter vom Bodensee produziert und serviert.

« Gedächtnis einer Landschaft »

Projekt zu 200 Jahre Thurgau

 
1.10.2013

Am 26.August 1973 entschied sich das Thurgauer Volk für einen Verfassungsartikel, welcher ausdrücklich verbietet,  am Bodensee und Rhein Schleusen, Kraftwerke und Frachthäfen zu bauen.

Richard Tisserands Open-AirAusstellung bezieht  sich  auf 10 ausgewählte, nicht realisierte Grossprojekte, die im letzten Jahrhundert für den Bodensee und den Hochrhein geplant waren. Das „Gedächtnis einer Landschaft“ wird zwischen dem Kloster Paradies und Horn geleistet.

Intervention in der Landschaft

Ausgangspunkt des Projekts sind von Richard Tisserand gemalte Landschaftsbilder. Mittels Inkjettechnik auf Blachen von 300 x 450 cm vergrössert und mit dem Titel des Projektes versehen, verweisen sie vor Ort auf den Eingriff, der die Landschaft dauerhaft verändert hätte. 10 Kunstplanen im Gigaformat sind entlang der Seestrasse aufgestellt.

Publikation: Leporello-Postkarten mit Projektbeschreibungen und Standortverzeichnis

Gedächtnis einer Landschaft:  Konzept: Richard Tisserand. Text und Archivforschung: Alexia Sailer. Initiative:  Barbara Fatzer, Thundorf.

200 Jahre Thurgau . Kultursee 1. – 30. September 2003

« Von der Zerbrechlichkeit »

la mer by Postkartenhalter

 
1.10.2013

Zuerst als Vorbereitung für die grossformatigen Hinterglasmalereien vorgesehen, brachten diese Kleinformate mehrere inhaltliche Gesichtspunkte der Landschaftsmalerei zutage.

Der reisende Maler macht seine Postkarten selber, etwa im Sinne eines Merians mit seinen Städteansichten oder der vielen Künstler, welche nach Italien reisten und die Reiseetappen im Bild festhielten: Z.B. W.Turner und viele andere.
Bei Tisserand kommt hier auch eine gewissen Beharrlichkeit, Obsession zum Sujet ins Spiel. Er kehrt immer wieder ans Meer zurück; folglich sammeln sich die Hinterglasbildchen zu einem Haufen an, immer in der Hoffnung , hinter jeder vollendeten Arbeit noch etwas neues zu entdecken. So nimmt er Bezug auf das direkt Gesehene, nämlich der realistischen Darstellung des Meeres oder zur Geschichte der Malerei, vor allem der impressionistischen. Die Präsentation schlussendlich in den Postkartenhaltern , wo die verschiedenen Bildchen aufeinanderwirken, gibt somit auch Einblick in die konzeptuelle Haltung des Malers.

Aufgeladen wird diese Geschichte noch durch die Zerbrechlichkeit des Gemalten, der Zerbrechlichkeit des Sujets, der Natur, der Zerbrechlichkeit der Erinnerung und der Unmöglichkeit, eine solche Postkarte aus Glas je verschicken zu können.

« A fleur de peau »

 
1.10.2013

…In den Werken <à fleur de peau> und <mehr lust nach meer> löst sich
Richard Tisserand noch stärker vom Handwerk der Malerei, um mit Polaroidfotografien von monochromen Farbflächen, Körper- und Naturfragmenten, ein Landschaftsbild zu entwerfen!
Statt die Fotografien zu einer klassischen Bildkomposition zu bündeln,
gliedert der Künstler die einzelnen Bestandteile der Landschaft wie Pflanzen, topografische Formen, Farben und Licht in einzelne Polaroids aus.
Anstelle eines räumlichen Sehens der Landschaft wird auf diese Weise nur die wechselnde Oberflächenbeschaffenheit sichtbar. Jedoch zeigt sich gerade darin der Kern jedes visuellen Mediums: der Blick vermag nur bis zur äusseren Schicht vorzudringen und jede Kontemplation der Landschaft wie des darstellenden Mediums selbst, muss zwangsläufig an der Haut haften bleiben…

Kathleen Bühler: Schauplatz Malerei, Kunstmuseum Kartause Ittingen 2000
Zitat Katalog.

« Mit Abstand am schönsten »

Tomas Rabara 
23.09.2013

Das Werk des in Paris und Neuhausen am Rheinfall arbeitenden Richard Tisserand  ist mit Abstand am schönsten: Die einmalige Leuchtkraft der Hinterglasbilder wie auch die Motive erschliessen sich einem erst aus der Distanz.

Da ist zum einen die Serie «Höhenrausch» – Panoramen aus dem Appenzeller Alpstein-Massiv, majestätisch in Szene gesetzt. Tisserand greift hier die Naturgemälde aus dem 19. Jahrhundert auf, bricht aber mit der romantischen Vorstellung. Statt die Sehnsucht nach dem Ursprünglichen zu stillen, löst er das Sujet mit groben Pinselstrichen auf und verweist so auf eine reifere Betrachtungsweise: Man muss ein wenig Abstand gewinnen, ehe man den Blick fürs grosse Ganze hat – die monumentale Postkartenidylle.

Ähnlich verhält es sich mit den Pariser Stadtbildern aus der Werkgruppe «Weitsicht». Grösstenteils vom Ausblick auf dem Tour de Montparnasse oder dem Montmartre inspiriert, erzielt Tisserand mit der Sezierung der Motive in rhythmische Pinselstriche eine Aura von impressionistischer Poesie.

Dabei lässt Tisserand uns  „tief ins Glas schauen“: Indem er nämlich die Farbe auf die Rückseite einer Glasscheibe aufträgt, blickt der Betrachter durch das Glas hindurch.

Das verleiht den Farben eine ungeahnte Tiefe und verblüffende Brillanz, führt uns aber auch die moderne Form unserer Wahrnehmung vor Augen: Ans Bild kommt man nicht ran, es hält uns auf Distanz – was wir sehen, ist nicht zu fassen. Fernseher und Computer lassen grüssen.

« Das Kunstobjekt für den Rheinfall »

Magic Pack von Richard Tisserand

Helena Vayhinger, Kuratorin, D Radolfzell 
22.09.2013
Thurgauer Zeitung

Der Rheinfall – ein Jahrtausende altes Naturschauspiel – liegt inzwischen durch menschliche Eingriffe nicht mehr in einer Landschaftsidylle eingebettet, sondern in einer entfremdeten kultivierten Landschaft. Durch die Gegenwartskunst wird dieses Naturereignis ideell wieder mit der es umgebenden Industrielandschaft verbunden und dadurch erneut wahrgenommen.

Richard Tisserand ist bei der Konzeption von Magic Pack seiner „Passion“, der Landschaftsmalerei treu geblieben. Wie in seinen Tafelbildern, in denen die abbildende Malerei der Landschaft mit monochromen Farbflächen einen Dialog aufnimmt, tritt diese Wasser-Licht-Skulptur in einen Dialog mit der Landschaft – nur die Umsetzung hat sich geändert; mit dem Rheinfall tritt die reale Landschaft in den Dialog mit der künstlerischen Intervention. Schon seine erste Landschafts-installation 1997 mit großen monochromen Farbtafeln am Fuße des Hohentwiels provozierte eine andere Wahrnehmung des Hausberges von Singen.

Tisserand möbliert nicht die Landschaft; er poetisiert mit monochromen Feldern die Landschaft und dies ganz im Sinne einer romantischen Kunstauffassung des neunzehnten Jahrhunderts. Unseren immer gleichen Blick auf wichtige „Naturdenkmale“, wie z.B. den Hohentwiel oder den Rheinfall erhalten durch seinen Eingriff eine völlig andere Dimension. Der Blick wird wieder zur Wahrnehmung von scheinbar Vertrautem. Unsere Natur erhält dadurch wiederum eine Chance zur Auseinandersetzung mit ihr. Mit diesem Ansatz aber führt Tisserand aus der Romantik der Landschaftsbetrachtung in die Kunstintervention des 20. Jahrhunderts und auch in den, in diesem Jahrhundert von Beuys geprägten Terminus des „erweiterten Kunstbegriffs“. Ein Begriff, der die Übertragung künstlerischer Prozesse auf außerkünstlerische Bereiche manifestiert. Dort wo der Künstler selbst die ästhetischen Grenzen der Museumspräsentation überschreitet und sich sozusagen in der Stadt und der sie umgebenden Landschaft ausbreitet, muss das Gespräch mit denen entstehen, die Gegenwartskunst als wichtigen Teil unserer heutigen Kultur begreifen, um dieses Bewusstsein in unsere Gesellschaft zu tragen und weiterzuentwickeln. Die Natur selbst, die Gespräche und Diskussionen, die Öffentlichmachung von Magic Pack sind dadurch Teil des künstlerischen Projektes.

Darin liegt für Schaffhausen und den Rheinfall eine Chance wieder neu wahrgenommen und bewusst zu werden, ähnlich der Reichstagsverhüllung durch Christo in Berlin. Der Natur wird durch diesen Eingriff nicht geschadet, sondern Form und Farbe brechen gewohnte Sehweisen auf und machen ein unserer Zeit neues adäquateres Naturerleben möglich. Sicherlich ist die Entwicklung des Projektes technisch aufwendig, rechtfertigt aber hinsichtlich der Chancen für neue innovative Begegnungen den Aufwand.

In der Arbeit Magic Pack verbinden sich wichtige kulturelle und gesellschaftliche Aspekte unserer Auseinandersetzung mit Gegenwartskunst. Künstlerische Freiheit, Mäzenatentum und interdisziplinäres Zusammenwirken. Schon im Mittelalter hat Leonardo da Vinci diese Verbindung zwischen Kunst, Technik und Naturwissenschaften gelebt – warum sollten wir diesem Beispiel unter neuen Vorzeichen nicht folgen.

« Irene Müller: rêve, espoir, désir »

 
Juni 2008

Richard Tisserand, «rêve espoir désir», ein Projekt für «yes we are open»

An einer dicht befahrenen Strasse in der Zuger Altstadt prangt in einem Schaufenster ein Wasserfall. Darüber der knallige Schriftzug «rêve espoir désir», in pinkfarbenen Buchstaben auf leuchtend blauem Grund. Ein Blickfang, ein erfreulicher Störfaktor im Einerlei der Fassaden und Geschäftsauslagen. Beim näheren Hinsehen entpuppt sich das Bild als Hinterglas-Gemälde, das auf die Innenseite des Schaufensters  gemalt ist und von dieser gleichsam gegen aussen abgedichtet wird. Richard Tisserand nimmt mit dem Bildgegenstand seines Gemäldes Bezug auf Ansichtskarten der (Schweizer) Alpenwelt, auf touristische Souvenirs von bemerkenswerten landschaftlichen Formationen. Die Traditionen der Landschaftsmalerei, die Vorstellungen von Naturromantik und der Natur als Erlebnisreservoir werden von Tisserand hier ebenso aufgegriffen wie das Kalkül von grossformatigen Werbebildern und Anzeigetafeln. Im Zusammenspiel der ungewöhnlichen, heute eher selten praktizierten Technik der Hinterglasmalerei entsteht mit «rêve espoir désir» eine Arbeit, die sich seltsam zwischen den Zeiten bewegt, an Traditionslinien anschliesst, zugleich aber mit der Aufmerksamkeitsökonomie der PassantInnen spielt.

Die Hinterglasmalerei ist für Richard Tisserand keine «neue Methode», zahlreiche seiner Landschaftsbilder sind in dieser Technik entstanden, Stadtlandschaften, aber auch Bild-Collagen, die stark vergrösserte Zeitungsinserate und Stadtansichten kombinieren. Eine der Faszinationen, die für Tisserand von dieser Technik ausgeht, ist die unmittelbare Bildwirkung, die leuchtende Farbigkeit der Hinterglasgemälde, die sich aus der Verbindung von transluzentem Farbauftrag und Durchlicht ergibt. Auf Grund der Schaufenstersituation ist es im (unbegehbaren) Raum hinter dem Bild dunkler als davor, die Farben entfalten somit eine starke Eigenfarbigkeit und leuchten im Tiefenlicht – und daraus resultiert letztlich auch die Wirkung des leuchtenden Gemäldes. Ein anderer Faktor, der für den Künstler diese Art der Malerei interessant macht, ist das Umdenken während des Entstehungsprozesses. Da das Bild hinter der Glasscheibe gemalt wird, wird es gewissermassen von der Bildoberfläche aus aufgebaut. Das heisst, dass die Farbsetzungen und Elemente, die im Gemälde ganz «vorne» liegen, zuerst angelegt werden, und der Malprozess dann in den Bildhintergrund fortschreitet – ein vollkommen konträres Vorgehen im Vergleich zu «klassischen» Malerei. Richard Tisserand reagiert mit seiner getupften, impressionistisch wirkenden Malweise auf diese maltechnischen Anforderungen, die ihm einen minimalen, aber doch relevanten Überblick über Komposition und Ausführungsdichte im Verlauf des Malens erlaubt.

Überhaupt, das Thema der Landschaft – eine der Konstanten im Werk von Richard Tisserand. Seien es die grossformatigen, Plakat ähnlichen Bilder im öffentlich Raum um den Bodensee, seien es die aus der Erinnerung gemalten Stadtlandschaften von Paris oder die minimalistischen, farbigen Tafeln, die sich über Felder und Hügel ziehen. Topografische Gegebenheiten werden von Tisserand immer wieder auf ihre visuelle, assoziative, aber auch gesellschaftspolitische Wirkung hin untersucht. Denn wenn sich bei «rêve espoir désir» die PassantInnen in der Scheibe spiegeln und sich gewissermassen durch ihre Anwesenheit ins Bild einschreiben, dann sind Fernweh, Sehnsuchtsmomente und der Traum von der heilen, unversehrten Natur ganz nahe – mitten in der Stadt, mitten unter uns.

Irene Müller

« Schauplatz Malerei, Kunstmuseum Kartause Ittingen »

Kathleen Bühler 
2000
Zitat Katalog

…In den Werken à fleur de peau und mehr lust nach meer löst sich Richard Tisserand noch stärker vom Handwerk der Malerei, um mit Polaroidfotografien von monochromen Farbflächen, Körper- und Naturfragmenten, ein Landschaftsbild zu entwerfen!

Statt die Fotografien zu einer klassischen Bildkomposition zu bündeln, gliedert der Künstler die einzelnen Bestandteile der Landschaft wie Pflanzen, topografische Formen, Farben und Licht in einzelne Polaroids aus.

Anstelle eines räumlichen Sehens der Landschaft wird auf diese Weise nur die wechselnde Oberflächenbeschaffenheit sichtbar. Jedoch zeigt sich gerade darin der Kern jedes visuellen Mediums: der Blick vermag nur bis zur äusseren Schicht vorzudringen und jede Kontemplation der Landschaft wie des darstellenden Mediums selbst, muss zwangsläufig an der Haut haften bleiben…